Die Lebensmittelkennzeichnung in der Schweiz gilt als klar geregelt. In der Praxis zeigt sich jedoch: Viele Etiketten enthalten formale oder inhaltliche Mängel – trotz sorgfältiger Prüfung.
Der Grund liegt nicht in mangelndem Fachwissen, sondern in der Komplexität und Verzahnung der rechtlichen Vorgaben. Wer nur einzelne Pflichtangaben prüft, übersieht schnell entscheidende Details.
Dieser Beitrag zeigt, was bei einer vollständigen Etikettenprüfung tatsächlich berücksichtigt werden muss und wo typische Lücken entstehen.
Warum die Etikettenprüfung komplexer ist als gedacht
Auf den ersten Blick scheint klar, was auf ein Lebensmitteletikett gehört: Sachbezeichnung, Zutatenliste, Allergene, Nährwerte – fertig.
Tatsächlich greifen jedoch mehrere Ebenen des Schweizer Lebensmittelrechts ineinander:
- das Lebensmittelgesetz (LMG) als rechtliche Grundlage
- die Lebensmittel- und Gebrauchsgegenständeverordnung (LGV)
- die Verordnung betreffend die Information über Lebensmittel (LIV)
- sowie zahlreiche produktspezifische Verordnungen
Die Herausforderung besteht nicht nur darin, ob Angaben vorhanden sind, sondern auch:
- welche rechtliche Bedeutung einzelne Angaben haben
- welche Folgepflichten daraus entstehen
- und ob diese korrekt und vollständig umgesetzt sind
Die 7 Bereiche einer vollständigen Etikettenprüfung
Eine vollständige Prüfung orientiert sich an den Anforderungen gemäss Art. 3 LIV (Lebensmittelinformationsverordnung). Diese umfassen:
1. Sachbezeichnung und Produktbezeichnung
Die Sachbezeichnung ist mehr als ein Produktname. Sie muss das Lebensmittel rechtlich korrekt und eindeutig beschreiben.
Typische Fehler:
- zu allgemein formulierte Bezeichnungen
- werbliche Begriffe anstelle der rechtlich korrekten Bezeichnung
- fehlende Ergänzungen bei einzelnen Arten oder Klassen von Lebensmitteln
2. Zutatenverzeichnis, Allergene, QUID und Zusatzstoffe
Hier geht es nicht nur um Vollständigkeit, sondern um Details:
- korrekte Reihenfolge nach Mengenanteil
- Hervorhebung von Allergenen gemäss Vorgaben
- korrekte Bezeichnung von Zusatzstoffen, Aromen und Enzymen
- konsistente Benennung über alle Produktangaben hinweg
Gerade bei Rezepturänderungen oder Lieferantenwechseln entstehen hier häufig Inkonsistenzen.
3. Haltbarkeit, Lagerbedingungen und Gebrauchsanleitung
Angaben zur Haltbarkeit müssen korrekt und eindeutig sein:
- Mindesthaltbarkeitsdatum vs. Verbrauchsdatum
- korrekte Formatierung und Platzierung
- Lagerbedingungen, falls erforderlich
- Gebrauchsanleitung bei Produkten, die besondere Zubereitung erfordern
Fehlende oder unklare Angaben können zu Beanstandungen führen.
4. Herkunft des Produkts und verantwortliche Person
Die Angabe der verantwortlichen Person (Name und Adresse) ist Pflicht. Zusätzlich sind je nach Produkt Herkunftsangaben erforderlich:
- Herkunft des Produkts
- Herkunft primärer Zutaten
- korrekte Kennzeichnung bei Schweizer Herkunftsangaben
Herkunftsangaben müssen korrekt und nicht irreführend sein – insbesondere bei Schweizer Produkten gelten hier strenge Anforderungen.
5. Nährwertdeklaration
Die Nährwertdeklaration ist formal streng geregelt:
- Pflichtangaben und Reihenfolge
- Bezugsgrössen
- korrekte Einheiten
- Konsistenz zwischen berechneten und angegebenen Werten
Auch Ausnahmen (bei bestimmten Produktkategorien) müssen korrekt begründet werden.
6. Claims und Werbeaussagen
Aussagen wie „natürlich", „ohne Zusatzstoffe", „reich an …" oder „traditionell hergestellt" müssen sachlich korrekt, zulässig und nicht irreführend sein.
Nicht jede Aussage lässt sich allein anhand des Etiketts abschliessend prüfen – genau hier ist eine klare Einordnung wichtig.
7. Darstellung und Lesbarkeit
Ein formell korrektes Etikett kann trotzdem nicht konform sein, wenn:
- die Mindestschriftgrösse unterschritten wird
- Pflichtangaben schwer auffindbar oder unleserlich sind
- Kontraste nicht ausreichend sind
Diese Aspekte werden in der Praxis häufig unterschätzt.
Konsistenz über alle Angaben hinweg
Ein oft übersehener Punkt: Alle Angaben müssen zueinander passen.
Beispiele:
- Zutatenliste vs. Sachbezeichnung
- Hervorgehobene Zutaten vs. QUID-Angaben
- Claims vs. tatsächliche Zusammensetzung
- Herkunftsangaben vs. Zutatenliste
Viele Fehler entstehen nicht durch falsche Einzelangaben, sondern durch Widersprüche zwischen ihnen.
Typische Ursachen für Fehler in der Praxis
In der täglichen Arbeit zeigen sich immer wieder dieselben Muster:
- Prüfungen erfolgen punktuell statt systematisch
- Änderungen an Rezeptur oder Layout werden nicht ganzheitlich nachgezogen
- Wissen ist verteilt (QM, Entwicklung, Einkauf), aber nicht zentral gebündelt
- Zeitdruck führt zu Abkürzungen
Das Resultat: Etiketten wirken auf den ersten Blick korrekt, halten aber einer vertieften Prüfung nicht stand.
Wie Labelmind unterstützt
Labelmind unterstützt bei der systematischen Prüfung der Lebensmittelkennzeichnung anhand der auf dem Etikett enthaltenen Informationen und der relevanten Vorgaben des Schweizer Lebensmittelrechts.
Das System dokumentiert:
- Befunde mit Evidenz aus dem Etikett
- Zuordnung zur entsprechenden Rechtsgrundlage
- Klare Handlungsempfehlungen
So entsteht Transparenz darüber, was konform ist, was angepasst werden muss und welche Punkte einer manuellen Prüfung bedürfen.
Fazit
Eine rechtssichere Lebensmittelkennzeichnung entsteht nicht durch einzelne Prüfungen, sondern durch ein konsistentes Gesamtbild.
Wer alle relevanten Aspekte systematisch betrachtet, reduziert Risiken und gewinnt Sicherheit im Alltag.